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Zum Tod von Bernward Monzel – Ein persönlicher Nachruf

Bild-Quelle: https://www.badische-zeitung.de/droste-huelshoff-gymnasiums-trauert-um-den-langjaehrigen-schulleiter-bernward-monzel–print

Zum ersten Mal bin ich Bernward Monzel als Referendar und Berufsquereinsteiger im Religionsunterricht am Droste in Freiburg begegnet. Er war mein erster Chef als Schulleiter.

Er ist aufgefallen, der große schlanke Mann, mit Jeans und Bart und ohne Autoritätsprobleme (wie die BZ einmal schrieb), wenn er durch das damals noch unsanierte Haus ging. Er beeindruckte schon durch seine Erscheinung. Dazu kam seine wache Präsenz, seine klare Haltung und manchmal messerscharfe Analyse und Meinung.

Im alten Lehrerzimmer gab es noch ein Sofa und da saß er oft in der großen Pause, um mit seinen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen. Manchmal stellte er dazu einfach eine provokante These oder Frage in den Raum und schon hatte man eine interessante Pausendiskussion mit ihm.

Er war Theologe und Religionslehrer aus Überzeugung und mit klaren Überzeugungen, die er sich auch von übergeordneten Institutionen nicht nehmen ließ. So hing unter seiner Ägide trotz Verfassungsgerichtsurteil das große Kreuz im Treppenhaus des Hauptgebäudes, für alle gut sichtbar im 1.OG, nach wie vor ganz selbstverständlich neben dem Direktionszimmer. In solchen Dingen war er absolut frei.

Bernward Monzel hatte auch in Sachen Unterrichtsgestaltung klare Vorstellungen: Auf modisches Zeugs kam es ihm überhaupt nicht an, aber Auftritt und Lehrerpersönlichkeit mussten stimmen, ebenso wie eine klare Aufteilung des Tafelanschriebs. Ich werde nie vergessen, wie er mir das einmal demonstrierte: „Die Tafel hat drei Teile … Ganz links kommt …, in die Mitte kommt….. !“ So war er!

Dann bin ich ihm natürlich bei den Jahrestagungen in Hohritt und Rastatt begegnet. Er gehörte für uns Jüngere damals zu den Granden des Verbandes. Auch hier immer: klare Haltung, eindeutige Positionen. Selbst in für ihn schwierigen persönlichen Zeiten ließ er sich den Religionsunterricht nicht nehmen.

Über viele Jahre war Bernward Monzel im VKRF bis 1998 Verbandsvorsitzender. Dort war er auch nach seiner Pensionierung ein gefragter Mann, wenn es mal knirschte oder man eine gute Lösung angesichts eines Problems brauchte. Er wurde dann kurzerhand eingeladen und konnte mit einer knappen, pointierten Rede und einem geschickten Schachzug eine knifflige Personalfrage im Vorstand des Verbandes lösen, auch wenn es letztlich nicht ganz verfassungskonform war – aber alle waren zufrieden.

Nach seiner Pensionierung als Schulleiter war er in der Stadt und an der Universität weiter präsent. Er hatte immer ein Ziel und ein Anliegen, das er noch erfüllen wollte. In der Stadt, Kirche und Universität konnte man ihm regelmäßig begegnen. So habe ich ihn bei diözesanen Veranstaltungen oder anderen kirchenbezogenen Events oft getroffen.

Das letzte Mal sah ich ihn bei einer Lesung mit Arnold Stadler in Niederrotweil. Monzel war präsent, er hat sich eingemischt, war interessiert und gerne auch mal streitlustig.

Auch als Pensionär gab es für ihn eine Pflicht! Mein vorletztes Telefonat mit ihm – er war immer für einen erreichbar – ging um die Frage, ob er sich vorstellen könne, eine kleine Historie des VKRF, des Religionslehrerverbandes zu schreiben. Durchaus unsicher, wie er reagieren würde, kam seine lapidare Antwort: „Das ist eine Pflicht!“ Ja, so war er! Leider kam es dann doch nicht mehr dazu, weil er bei meinem letzten Telefonat vor ca. einem Jahr mitteilte, dass er es aufgrund einer Erkrankung doch nicht machen könne.

Wie ernst seine Erkrankung war, zeigte sich jetzt bei der überraschenden Todesnachricht.

Bernward Monzel ist viel zu früh von uns gegangen. Wie jetzt erst bekannt wurde, verstarb er schon am 27.11.2020 im Alter von 76 Jahren. Dem Verband, seinen Kolleginnen und Kollegen, nicht zu vergessen seinen Schülerinnen und Schülern hat er viel gegeben. Neben allem Wissen nicht zuletzt Orientierung.

Einer, der wirklich fehlt

Für den VKRF,

Michael Längle