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Religionslehrer/-innen an beruflichen Schulen blicken auf die Herausforderungen in einer digitalen Arbeitswelt

Etwa einhundert Religionslehrerinnen und Religionslehrer nahmen an der diesjährigen Jahrestagung des Instituts für Religionspädagogik und des Religionslehrer/-innenverbands VKRF mit dem Titel „LAB(ORA) 4.0“ im Bildungshaus St. Bernhard Rastatt teil, die Ende November stattfand. Im Mittelpunkt standen die Veränderungen der Arbeitswelt in Zeiten der allgegenwärtigen Digitalisierung: welche Herausforderungen, welche Chancen ergeben sich hieraus?

Den Auftakt der Tagung machte am Mittwochnachmittag der Journalist Heinrich Wullhorst, der den anwesenden Religionslehrkräften empfahl: „Habt keine Angst!“ Wullhorst verwies darauf, dass der Mensch der künstlichen Intelligenz auch in Zukunft überlegen sein werde etwa im Bereich der Werte und Überzeugungen, des unabhängigen Denkens und der Empathie. Dementsprechend warb er für einen Unterricht, der eben diese Vorzüge des Menschen ausbilde und fragte: „Welches Fach wäre hierfür besser geeignet als der Religionsunterricht?“

In mehr als zehn verschiedenen Workshops konnten die Teilnehmenden am Donnerstag tieferen Einblick in verschiedene Bereiche der Digitalisierung etwa in der Banken- oder Logistikbranche werfen, wandten konkrete Methoden digitalen Lernens an oder setzten sich kritisch mit Chancen und Gefahren des Digitalisierungsprozesses auseinander.

Vor dem gemeinsamen Gottesdienst mit Weihbischof Dr. Peter Birkhofer fand am Nachmittag eine Podiumsdiskussion statt. Zusammen mit dem Weihbischof diskutierten die Leiterin der Hauptabteildung 3 Bildung, Frau Ordinariatsrätin Susanne Orth, dem Leiter des Referats Berufliche Schulen, Herrn Wolfgang Weinzierl, der Direktorin des Instituts für Religionspädagogik, Frau Dr. Monika Jakobs und dem Vorsitzenden des Verbands für Religionslehrer und – lehrinnen, Herrn Simon Lienhard über die Forderungen der Religionslehrerverbände, die im Juni in einem Brief des Bundesverbandes der katholischen Religionslehrer und –lehrerinnen an Gymnasien e.V. (BKRG) an die deutschen Bischöfe gestellt wurden. Weihbischof Birkhofer machte deutlich, dass die Themen der Forderungen der Religionslehrenden in den synodalen Foren des nun beginnenden synodalen Wegs aufgegriffen werden können. Allerdings haben die Ergebnisse der Foren keine kirchenrechtlich abgesicherte Form und haben damit eher den Status von Empfehlungen.

Ordinariatsrätin Susanne Orth erklärte, dass die Forderungen ein ehrlicher Blick hinein in die Realität der Lehrerinnen und Lehrer seien. Nicht zuletzt die Ergebnisse der MHG-Studie hätten gezeigt, dass diese und weitere Fragen sich aufdrängten. Zugleich wurde verdeutlicht, welche weitreichenden Änderungen bereits angestoßen wurden und wie vieles schon möglich ist. Einigkeit herrschte bei der abschließenden Feststellung, dass trotzdem weiterhin Freiheit und Experimentierfähigkeit in der Kirche notwendig sein werden.

Nach der gemeinsamen Eucharistiefeier gab es im Rahmen des Abendessens die Möglichkeit des weiteren Austausches und der Begegnung. Verabschiedet wurde dabei der langjährige Leiter der Jahrestagungen und Vorsitzender des VKRF, Simon Lienhard, der im kommenden Jahr aus dem Vorstand und damit auch aus der Tagungsleitung ausscheidet.

In seinem Vortrag am Freitagvormittag skizzierte der Gießener Professor für Systematische Theologie, Prof. Ansgar Kreutzer, eine „Theologie der Arbeit 4.0“. Er warnte angesichts einer zunehmenden Entgrenzung von Arbeit in zeitlicher und örtlicher Hinsicht vor der Möglichkeit der Überforderung und Ausbeutung der arbeitenden Menschen und empfahl anstelle einer theologischen Aufwertung der Arbeit in der Linie des Papstes Johannes Pauls II. (Laborem exercens, 1981) gerade deren Begrenzung. Dabei wies er auf die mit der Entgrenzung der Arbeit verbundene Verdienstlogik hin und stellte dieser die aus freier Gnade geschenkte Rechtfertigung des Menschen gegenüber. Seinem Vortrag schloss sich eine lebendige Diskussion an, die zeigte, wie sehr das Tagungsthema die Teilnehmer/-innen beschäftigte.

Den Abschluss der Tagung bildete Prof. Bernd Trocholepczy, Religionspädagoge in Frankfurt a.M.. Dieser stellte die aktuellen Transformationsprozesse in eine Reihe mit der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks, alle drei könnten als echte Zeitenwenden angesehen werden. So sei derzeit noch unklar, welchen Ausgang der jetzige Transformationsprozess nehme. Trocholepczy machte vor allem auf die theologische Chance aufmerksam, die darin liege, dass der Mensch sich aktuell wieder neu als durchaus begrenztes Dasein erfahre und wir angesichts dieser Erfahrung einer falschen Vergöttlichung des Menschen entgegenarbeiten könnten.

TvB/ JM