Zukunft der katholischen Kirche – Wie geht‘s weiter? Religionslehrer/innen beziehen Position!

Zur Frage nach der Zukunft der katholischen Kirche hat sich jetzt der Bundesverband der kath. Religionslehrer/-innen an Gymnasien zu Wort gemeldet. Auch der VKRF ist Mitglied im BKRG und unterstützt dessen Thesen.In einem Brief an die deutschen Bischöfe betont der BKRG: „Wenn wir als Religionslehrer*innen in Deutschland die Partizipation am synodalen Prozess einfordern, tun wir dies aus der Verantwortung heraus, dabei mitzuhelfen, dass die Kirche als glaubwürdige Gemeinschaft der Glaubenden zukunftsfähig wird.“

In der Folge formuliert der BKRG folgende zehn Forderungen:

„Wenn Kirche und Glaube überhaupt eine Zukunft haben sollen, bedarf es dringender Reformen:

  1. Wir fordern eine lernende Kirche, die offen ist für neue Impulse und kritische Anfragen, die ernst macht mit der Rede von Gott, der sich immer neu in der Geschichte offenbart (Ex 3,14ff.). Eine lernende Kirche, die ehrlich zuhört und in dem, was andere sagen, ein Licht erkennt, „das ihr helfen kann, das Evangelium tiefer zu verstehen.“ (vgl. Christus vivit, Nr. 41).
  2. Wir fordern, dass anspruchsvolle, diskursiv betriebene Theologie in kirchlichen Strukturen und kirchlicher Verkündigung angemessen Berücksichtigung findet.
  3. Wir fordern das Ende eines repressiven Umgangs mit innovativ denkenden Theolog*innen. Kritische, auch unbequeme Stellungnahmen müssen als Chance wahrgenommen werden, nicht als Störfaktor.
  4. Wir fordern eine Christologie und Ekklesiologie, die den Jesus der Evangelien in den Mittelpunkt stellen, der einen Gegenentwurf zu aller menschlichen Versuchung der Macht darstellt (Mt 4,8ff.).
  5. Wir fordern im Sinne einer Nachfolge Jesu eine dienende Kirche, sowohl im solidarischen Dienst an der Welt als auch im Hinblick auf die Umsetzung subsidiärer Leitungsstrukturen.
  6. Wir fordern eine “Verheutigung” theologischer Sprache in allen kirchlichen Handlungsräumen und die mutige Übersetzung dogmatischer Formeln, so dass Menschen die befreiende Botschaft des Glaubens als lebendig machend wahrnehmen können.
  7. Wir fordern ein Umdenken in Fragen von Sexualität insbesondere auch von Homosexualität, die Wertschätzung der menschlichen, körperlichen Verfasstheit verbunden mit der Freude am Körper und der eigenen Sexualität. Dringend notwendig erscheint ein ehrlicher Blick in die eigenen Reihen im Hinblick auf die Themen Sexualität, Homosexualität und Beziehungsfähigkeit.
  8. Wir fordern mutigere Schritte in der Ökumene, vor allem selbstkritische Schritte auf dem Weg zum Abbau aller Schranken, die im katholischen Amtsverständnis begründet sind.
  9. Wir fordern im Blick auf den angekündigten synodalen Prozess aus jedem (Erz-)Bistum eine Auskunft, wie dieser umgesetzt und als handlungsleitend konkretisiert wird.
  10. Wir fordern verbindliche Maßnahmen der Umsetzung des anstehenden synodalen Prozesses und ein Ernstnehmen des Glaubens aller Gläubigen (sensus fidei). Wenn der Geist weht, wo und in wem und wie er will, wenn – wie wir glauben – der Geist in den Gliedern wie in den Häuptern der Kirche wirksam ist, dann ist das Prinzip der Partizipation für den anstehenden Prozess absolut notwendig.“

Den gesamten Brief sowie die Reaktionen in der Presse finden Sie auf den Seiten des BKRG. Eine PDF-Version steht auch hier zum Download zur Verfügung.