„Es gibt keinen Stoppknopf für die Digitalisierung!“

Tag 2 auf der Jahrestagung der allgemeinbildenden Gymnasien

Vormittag: Dr. Bernd Trocholepczy und Robert Mokry – Theologie in Zeiten der Mediatisierung

Robert Mokry, Jg. 2000, Preisträger des Wettbewerbs „Christentum und Kultur“ zeigte eindrücklich, wie sehr der Alltag von Jugendlichen heute digital geprägt ist und bestätigte letztlich die philosophischen Analysen von Prof. Wiegerling vom Vorabend –  von den Apps, die den Tag strukturieren bis hin zum veränderten Leseverhalten. Er forderte, dass die Schule auf das digitale Leben vorbereiten muss.

Prof. Trocholepczy bekräftigte in seiner Skizze einer Theologie des Digitalen, dass das, was da auf uns zukommt, noch lange nicht zu Ende ist – es wird sich weiter steigern  – bis hin zum Versuch der digitalen Allmacht und damit Gottgleichheit.

Die Technisierung schreite durch Digitalisierung immer weiter voran: ist das nun die Vision des Himmels oder eher der Hölle? Utopie oder Dystopie? Seine Antwort: weder noch – wir müssen es zur Kenntnis nehmen! Wir können aus dieser Welt nicht aussteigen! Aber: als Theologen müssen wir doch sagen, auch diese Zukunft ist gestaltbar! Und sie muss von uns gestaltet werden.

Wird in dieser Neuschöpfung die Hand Gottes nicht durch die Hand der Technik ersetzt? Prof. Trocholepczy stellte in seinem äußerst lebendig und humorvoll gehaltenen Vortrag als Antwort folgende These auf: Wir dürfen den Anspruch technisch-digitaler Ordnung nicht abweisen, aber ihn eben auch nicht erfüllen können wollen.

Wie geht das? Angesichts der Bestrebungen unsere eigene Unendlichkeit in unsere Technik hineinzudenken, ist darauf hinzuweisen, dass wir theologisch doch endliche Wesen sind! Es ist also unsere Aufgabe, die Sicht auf unsere Endlichkeit wieder deutlich zu machen und dabei nicht zu vergessen, dass Gott als der Unsterbliche uns Sterblichen entgegen kommt: Gott ist Gott und der Mensch Mensch.

Welche Haltungen könnten uns dabei helfen? In direkter Anlehnung an Martin Heidegger nennt Prof. Trocholepczy zwei Gedanken:

  1. Gelassenheit

Wir können jederzeit technische Gegenstände benutzen und doch zugleich bei aller sachgerechten Benützung, uns von ihnen freihalten, so dass wir sie jederzeit loslassen können. Lassen wir also die technischen Gegenstände in unsere Welt hinein und lassen wir sie zugleich draußen, d.h. auf sich beruhen als Dinge, die nichts Absolutes sind, sondern selbst auf Höheres angewiesen bleiben.

  1. Offenheit für das Geheimnis

Der Sinn der technischen Welt verbirgt sich. Aber überall in der technischen Welt ist ein verborgener Sinn, der uns anrührt.

Was sich auf solche Weise zeigt und sich zugleich entzieht, ist der Grundzug dessen, was wir das Geheimnis nennen. Die notwendige Haltung, die es dafür braucht – bei uns und bei den SchülerInnen: Offenheit für das Geheimnis!

Nachmittag: Schulpolitisches Podium mit Weihbischof Dr. Peter Birkhofer, Susanne Orth, Melitta Menz-Thoma (alle drei EO), Dr. Tuija Binder (RP FR), Andreas Wronka (RP KA), Dr. Maria Jakobs (IRP)

Themen waren:

Weltkirche und Ökumene/interreligiöser Dialog (Weihbischof Birkhofer) – Ergebnisse der MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch mit Aussprache (Frau Orth) – 40 Jahre IRP mit Jubiläumstagung im Januar und neue Veröffentlichungen (Frau Jakobs) – kirchliches Einvernehmen bei dienstlichen Beurteilungen, Bildungsplan 2016/Fortbildungen: bitte umgehend melden!! (Frau Binder RP FR) – Valentin Schneider wird Fachberater am RP KA (Herr Wronka RP KA) – Ethik in Klasse 6 am Gymnasium wird voraussichtlich im SJ 2020/21 eingeführt. Haushaltsmittel sind von der Landesregierung dafür bereitgestellt. Ob Ethik für Klasse 5 dann im darauffolgenden SJ kommen wird, ist allerdings noch fraglich. (Orth/Binder)

Frau Orth dankte im Namen des Erzbischofs für unsere Tätigkeit als ReligionslehrerInnen.

Direkt im Anschluss fand dann der gemeinsame Gottesdienst mit Weihbischof Dr. Birkhofer statt, der auf die Aufgabe der Zeugenschaft im Religionsunterricht verwies und uns eine feste Verwurzelung mit auf den Weg gab: Prüft alles und behaltet das Gute!

Als Dank der Erzdiözese und des Erzbischofs für unseren Dienst im RU wurden wir wieder zu einem festlichen Abendessen in die schön gestaltete Aula des Bildungshauses St. Bernhard eingeladen, wo der Abend bei Wein und Bier mit lebhaften Gesprächen ausklang.

 

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