Jahrestagung 2017: Religionslehrerinnen und Religionslehrer an beruflichen Schulen diskutieren friedensethische Herausforderungen in Islam und Christentum

Vom 22. bis 24. November 2017 fand im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt die Jahrestagung der Religionslehrerinnen und Religionslehrer der Beruflichen Schulen auf dem Gebiet der Erzdiözese Freiburg statt. Dem Motto „Kühler Kopf und heißes Herz“ entsprechend, beschäftigte man sich mit den friedensethischen Herausforderungen in Islam und Christentum.

(Eine PDF-Version des Berichts zum Ausdrucken und offline-Schmökern finden Sie hier.)

Die Fortbildung wurde von Jonas Müller vom IRP Freiburg und Simon Lienhard vom VKRF geleitet und wurde von rund 100 Kolleginnen und Kollegen besucht. Das Vorbereitungsteam hatte sich fast ein Jahr lang mit der inhaltlichen Gestaltung dieser Tage beschäftigt. Thematisch ging es um die Frage nach dem Zusammenhang von Religion und Gewalt und wie sich Religionen für Frieden und für die Überwindung von Gewalt einsetzen können. Ein Schwerpunkt bildeten dabei Christentum und Islam.

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Am Mittwochnachmittag eröffnete Ibrahim Etem Ebrem aus Heidelberg thematisch mit einem Vortrag zum Islam und zum muslimischen Leben in Deutschland die Tagung. Ibrahim Ebrem studierte katholische und islamische Theologie, Mathematik und Deutsch für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen und ist Steuerungsmitglied des Zukunftsforums Islam der Bundeszentrale für politische Bildung sowie Träger des Friedenspreises der Stiftung Friedenskreuz. In seinem engagierten und lehrreichen Vortrag gab er uns einen Einblick in die verschiedenen Strömungen innerhalb des Islam und zeigte auf, welche Konsequenzen diese Diversität für den Umgang mit dem Islam in Deutschland hat. In einem zweiten Schritt erläuterte Ebrem die gegenwärtige Herausforderung des Islamismus und Salafismus für unser Zusammenleben und führte aus, worin die Anziehungskraft für viele Jugendliche besteht und wie diesem Problem gerade auch in Schulen präventiv begegnet werden kann.

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Am Mittwochabend fand die Mitgliederversammlung des VKRF statt, in der der Verbandsvorstand den anwesenden Mitgliedern über die Aktivitäten des Verbandsvorstandes im abgelaufenen Jahr berichtete. Aus den Beruflichen Schulen gehören sechs (!) Kolleginnen und Kollegen dem Vorstand an: Maria Busath, Thomas vom Brocke, Ulrich Purschke, Jonas Müller, Tobias Zugmaier und Simon Lienhard. Für Informationen zur Vorstandsarbeit und zum VKRF verweise ich gerne auf unsere Homepage (www.vkrf.de).
Der Donnerstag stand zunächst ganz im Zeichen der vielfältigen Arbeitskreise, die das Tagungsthema in verschiedene Blickwinkel hinein konkretisierten. Es gab u.a. Arbeitskreise zum religiösen Extremismus, zur gewaltfreien Kommunikation, zur Arbeit der Stiftung Weltethos, zum Thema Religion und Frieden, zur Arbeit in VABO-Klassen und zur Korrektur von schriftlichen Abituraufgaben. Wie jedes Jahr besuchte uns auch Thomas Belke von der Medienstelle Freiburg und stellte Filme zum Tagungsthema vor, die im Religionsunterricht eingesetzt werden können.
Anschließend fand am Nachmittag ein Forum zu schulpolitischen Fragestellungen statt, bei dem wir neben Weihbischof Dr. Michael Gerber auch Frau Ordinariatsrätin Susanne Orth, Leiterin der Abteilung Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat, und Frau Dr. Maria Jakobs, Direktorin des IRP begrüßen durften. Ebenso waren als Vertreter der Regierungspräsidien unsere Kontakt-fachberater Martin Stülten und Klaus König sowie der Referent für Berufliche Schulen im Ordinariat, Wolfgang Weinzierl, anwesend. Sie alle gaben uns Einblicke in ihre jeweilige Arbeit und standen für Fragen zur Verfügung. Der Austausch mit Weihbischof Dr. Gerber, Frau Orth und Frau Dr. Jakobs sowie dem Referenten für Berufliche Schulen, Wolfgang Weinzierl, ist ein wichtiger Bestandteil der Jahrestagungen in Rastatt.

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Im Anschluss fand eine Eucharistiefeier mit Weihbischof Gerber statt, in der das Thema der Tagung erneut aufgegriffen wurde. Der sehr schöne Gottesdienst wurde wie in den vergangenen Jahren von unseren Musikern lebhaft und mitreißend begleitet. Es ist ein schönes Zeichen unserer Verbundenheit über den fachlichen Austausch hinaus, dass wir in solch dichter Atmosphäre gemeinsam Gottesdienst feiern und dies immer einer der Höhepunkte unserer Tagung darstellt.

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Am Donnerstagabend durften wir gemeinsam das festliche Abendessen, Dank der Erzdiözese für unseren Dienst in den Schulen, genießen und dabei wie im vergangenen Jahr fünf Pensionäre in unserer Mitte begrüßen. Seit 2016 lädt der Verband zu den Jahrestagungen alle pensionierten Verbandsmitglieder ein, diesen Abend mit uns zu verbringen. Es hat mich sehr gefreut, dass fünf Kolleginnen und Kollegen der Einladung gefolgt sind und den Donnerstagabend mit uns zusammen verbracht haben. Es war schön zu sehen, dass die Gemeinschaft der Kolleginnen und Kollegen auch über das Ausscheiden aus dem aktiven Dienst hinaus weiter Bestand haben kann und ich lade schon jetzt alle Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand ein, 2018 wieder nach Rastatt zu kommen.
Am Freitagmorgen hatten wir als Referenten Professor Dr. Dr. Friedrich Schweitzer bei uns zu Gast. Er ist Professor für Religionspädagogik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen und Leiter des EIBOR (Evangelisches Institut für Berufsorientierte Religionspädagogik). In seinem Vortrag nahm er besonders den Religionsunterricht in den Blick seiner Ausführungen. Interreligiöses Lernen und interreligiöse Bildung ist für ihn ein wichtiger Beitrag zur Fundamentalismusprävention und muss seinen festen Platz im Religionsunterricht haben. Er wies aber auch darauf hin, dass interreligiöse Bildung und Kompetenz an sich immer stärker nachgefragt wird und für viele Berufsfelder – von der Pflege über die Wirtschaft bis zur Polizei – immer bedeutender wird. Professor Schweitzer gab uns wichtige Impulse, wie religiöse Bildung im Religionsunterricht erworben werden kann und regte einen intensiven Austausch darüber unter uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern an.

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Die Tagung endete inhaltlich am Freitagnachmittag mit dem Besuch von Clemens Ronnefeldt aus München. Er ist seit 1992 Referent für Friedensfragen beim Internationalen Versöhnungsbund und gab einen Einblick in die aktuellen Konfliktfelder, besonders im Nahen Osten. Dabei reflektierte er auch kritisch die Nahostpolitik des Westens in den vergangenen hundert Jahren und ermöglichte uns einen differenzierten Einblick in die gegenwärtige Situation. Gewaltfreiheit und der Einsatz für Frieden ist für ihn eine gemeinsame Aufgabe von Islam und Christentum und entspricht dem Wesenskern dieser beiden Religionen. Ronnefeldt stellte uns konkrete Personen und Projekte aus seiner Arbeit vor, die zeigen, dass Verständnis zwischen den Religionen und ein friedliches Miteinander möglich ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahrestagung gaben ihm am Ende seines Vortrages die Kollekte aus dem Gottesdienst mit, die er für seine Friedenprojekte einsetzen wird.
Wie jedes Jahr wurde diese Jahrestagung von einem engagierten Team aus Kolleginnen und Kollegen vorbereitet, denen ich ganz herzlich für ihren Einsatz und ihr Mitwirken danken möchte. Dass sich der Einsatz lohnt, zeigte sich an den gewohnt hohen Anmeldezahlen und sehr positiven Rückmeldungen.
Erfreulich war, dass neben vielen „Stammgästen“ in diesem Jahr auch eine beachtliche Anzahl von neuen Kolleginnen und Kollegen teilgenommen haben.
Mittlerweile läuft bereits die Vorbereitung auf die Jahrestagung 2018, die vom 21.11.-23.11.2018 stattfinden wird und sich mit dem Thema „Wahrheit“ beschäftigen wird. Hierzu möchte ich Sie bereits jetzt herzlich einladen. Über die Homepage des IRP können sie sich über den Stand der Vorbereitung jederzeit informieren.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen in Rastatt!
Simon Lienhard, Vorsitzender VKRF

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