Ostern im Advent – Jahrestagung der allgemeinbildenden Gymnasien in Rastatt

Vom 29.11. bis zum 1.12. fand der zweite Teil der VKRF-Jahrestagungen im Tagungshaus St. Bernhard in Rastatt statt. Die Religionslehrerinnen und Religionslehrer an allgemeinbildenden Gymnasien wandten sich dem Kern des christlichen Glaubens zu: Tod und Auferstehung Jesu.

Der VKRF war auch in diesem Jahr neben dem Institut für Religionspädagogik (IRP) Co-Veranstalter der Tagung. Im Folgenden dokumentieren wir die Abschlussworte unseres stellverstretenden Vorsitzenden Valentin Schneider:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

In den letzten Jahren fiel mir an dieser Stelle immer die Aufgabe zu, die letzten zweieinhalb Tage Revue passieren zu lassen und zu überlegen, welche Konsequenzen wir für unseren schulischen Alltag ziehen können. In diesem Jahr aber habe Sie mir die Arbeit abgenommen.

Am Mittwochnachmittag zeigte Frau Professorin Strotmann auf, welche Jenseitsvorstellungen zur Zeit Jesu vorherrschten und welch großartiges und weltveränderndes Geschehen das Osterereignis gewesen sein könnte. Doch sie hinterließ auch, wie die meisten Exegeten, einige Leerstellen.

SuS sollten ausgehend von Fragen zu Tod und Auferstehung fundamentale biblische Texte kennen und sich mit unserer Hilfe religiöses Wissen aneignen. Aber die Leerstellen können nur gefüllt werden, wenn die Reli-Lehrer selbst als Glaubenszeugen auftreten und den Schülern andere Zugänge zur Wirklichkeit gelegt werden. SuS können gerade am Ostereignis erkennen, dass Religion mehr ist als messbare Ergebnisse.

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Professor Werbick nahm als Fundamentaltheologe die Soteriologie von Tod und Auferstehung in den Blick. Er diskutierte dabei die neutestamentliche Opfermetaphorik und beleuchtete die Glaubensbedeutung des Auferstehungskerygmas.

Wir können, so denke ich, mitnehmen, dass die Auseinandersetzung mit Ostern zur Erschließung einer anderen Dimension des Menschseins führt, existentielle Fragen nach dem Sinn des Lebens und des Todes aufwirft, einen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Glauben leistet, Orientierungshilfe ei der Ausbildung einer religiösen Identität sein kann und uns und unseren Schüler zeigt, dass da mehr sein kann – transzendentes Denken.

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Schließlich hat Dr. Johannes Heger heute Morgen in seinem Lerngang das Thema ins Klassenzimmer transportiert. Der Religionsunterricht sei nach wie vor der nahezu einzige Ort in der Schule, an dem die Themen Sterben, Tod, Auferstehung und Jenseits thematisiert werden. Die von ihm beschriebene Vielfalt an Haltungen und Meinung zu dem, was da nach dem Tod auf unsere SuS warten könnte ist uns aus dem Alltag bekannt.

Im RU kann das Thema Tod und Auferstehung zum einen zur Identitätsstiftung beitragen. Denn wenn SuS diesen Kern des Glaubens nachvollziehen können, dann kann Christsein auch verstanden und gelebt werden. Ostern kann Lebenshilfe sein, Hilfe zur Krisenbewältigung und ist und bleibt ein Teil unserer christlichen Kultur. Hier lässt sich andocken, hier sind Tod und Auferstehung für SuS relevant. Guter Religionsunterricht muss immer wieder von den Fragen der SuS augehen.

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Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben sich selbst Gedanken darüber gemacht, wie unser religiöser Bildungsauftrag konkret umgesetzt werden könnte. Mit Blick auf Tod und Auferstehung Jesu seien hier einige Ideen stellvertretend angezeigt.

Manchmal haben wir mehr Fragen statt antworten, manchmal müssen wir unseren SuS Fremdheit zumuten – auch und gerade in der Frage nach Tod und Auferstehung Jesu. Aber wenn wir Raum schaffen für offene Diskussionen, die Kinder und Jugendlichen als theologische Denk-Partner ernst nehmen und in erster Linie authentisch sind – mit unserem Glauben und unseren Zweifel, dann kann RU gelingen und dann bleibt unser Fach wichtig für die Bildung und das Leben unserer Schülerinnen und Schüler.

mde

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in den vergangenen Tagen haben wir aber nicht nur zugehört und mitgedacht, sondern sind miteinander ins Gespräch gekommen, haben uns von der Küche verwöhnen und von Markus Kapp köstlich amüsieren lassen. Wir haben gesehen und gespürt, dass wir als Religionslehrkräfte nicht alleine, sondern gemeinsam auf dem Weg und auf der Suche sind.

Ich lade sie auch im Namen von Frau Dr. Mirbach zur nächsten Jahrestagung im Herbst 2018 ein. Wir werden im kommenden Jahr ein etwas anderes Thema in den Blick nehmen, ein Thema, das mir persönlich sehr am Herzen liegt und das m.E. sehr wichtig ist, für Form und Inhalt eines zukunftsfähigen Religionsunterrichts: Religionsunterricht in der digitalisierten Welt, in der Welt unserer SuS.

Ich würde mich freuen, Sie auch 2018 hier in Rastatt begrüßen zu dürfen!“

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