„Wer bleibt auf der Strecke im Wettkampf um ein Immer-Mehr und Immer-Besser?“ Ein Rückblick auf die Jahrestagung BS 2016

Vom 30.November bis 02. Dezember 2016 fand im Bildungshaus St.Bernhard in Rastatt die Jahrestagung der Religionslehrerinnen und Religionslehrer der Beruflichen Schulen auf dem Gebiet der Erzdiözese Freiburg statt. Thematisch befasste sich  die Jahrestagung 2016 mit dem Thema „Perfektionierung des Menschen: Traum oder Albtraum?“
Neu entwickelte Technologien ermöglichen neue Therapien und Eingriffe am und im Menschen. Traum oder Albtraum? Ist alles gut und ethisch vertretbar, was möglich ist?
Und welche Folgen hat der Drang nach Verbesserung und Perfektionierung für uns Menschen? Wer bleibt auf der Strecke im Wettkampf um ein Immer-Mehr und Immer-Besser?
Dr. Wiebke Rögener (Literaturtipp: Durch Neuro-Enhancement wacher, klüger, effizienter?) führte uns in ihrem Eröffnungsreferat am Beispiel des Neuro-Enhacement vor, wie mit Hilfe verschiedener Mittel und Techniken versucht wird, die Leistung unseres Gehirns zu verbessern. Sie zeigte anschaulich auf, welche tatsächlichen und wissenschaftlich nachweisbaren Verbesserungen durch die Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel Ritalin oder durch Magnettherapien erreicht werden können und stellte Forschungen im Bereich der Optogenetik und Gentherapie dar. Als Fazit lässt sich feststellen, dass sich viele Versprechungen bisher nicht erfüllt haben, die Forschung in diesem Bereich, zum Beispiel auch in Richtung invasiver Eingriffe am Gehirn, aber sicher weitergehen wird.
Am Mittwochabend fand die Mitgliederversammlung des VKRF statt, in der sich der neu gewählte Verbandsvorstand den anwesenden Mitgliedern vorstellte. Aus den Beruflichen Schulen gehören 6 (!) Kolleginnen und Kollegen dem Vorstand an: Maria Busath, Thomas vom Brocke, Ulrich Purschke, Jonas Müller, Tobias Zugmaier und Simon Lienhard.
Der Donnerstag stand zunächst ganz im Zeichen der vielfältigen Arbeitskreise, die das Tagungsthema in verschiedene Blickwinkel hinein konkretisierten. Die Bandbreite reichte dabei vom Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch über social freezing bis hin zur Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik. Neben den Arbeitskreisen, die sich stark am Tagungsthema orientierten, gab es auch die Gelegenheit zum kollegialen Austausch und konkrete Hilfestellungen für den Unterricht in Flüchtlingsklassen.
Anschließend fand am Nachmittag ein Forum zu schulpolitischen Fragestellungen statt, bei dem wir neben Weihbischof Dr. Michael Gerber auch Frau Ordinariatsrätin Susanne Orth und Vertreter der Regierungspräsidien Freiburg und Karlsruhe begrüßen durften. Ebenso war die Direktorin des IRP, Frau Dr. Maria Jakobs auf dem Podium vertreten. Gerade der Austausch mit der Leiterin der Abteilung Bildung des Erzbischöflichen Ordinariates Freiburg, Frau Susanne Orth, und dem Referenten für Berufliche Schulen, Wolfgang Weinzierl, ist ein wichtiger Bestandteil der Jahrestagungen in Rastatt.
Nach dem Podium fand eine Eucharistiefeier mit Weihbischof Gerber statt, in der das Thema der Tagung erneut aufgegriffen wurde. Der sehr schöne Gottesdienst wurde wie in den vergangenen Jahren von unseren Musikern lebhaft und mitreißend begleitet.
Zum ersten Mal hatten wir als VKRF auch auf die Jahrestagung der Beruflichen Schulen alle Pensionäre des Verbandes aus diesem Bereich eingeladen. Es hat mich sehr gefreut, dass fünf Kolleginnen und Kollegen der Einladung gefolgt sind und den Donnerstagabend mit uns zusammen verbracht haben. Es war schön zu sehen, dass die Gemeinschaft der Kolleginnen und Kollegen auch über das Ausscheiden aus dem aktiven Dienst hinaus weiter Bestand haben kann. Der Vorstand des VKRF hat aufgrund dieser positiven Erfahrungen beschlossen, auch zukünftig alle Pensionäre des Verbandes zu den Jahrestagungen einzuladen. Verabschiedet wurde an diesem Abend auch Wolfgang Goebel. Er war viele Jahre im Vorstand des VKRF aktiv und Fachberater für Katholische Religionslehre sowie kirchlicher Beauftragter. Wir wünschen ihm für seinen weiteren Lebensweg Gottes Segen und erfüllende Begegnungen.
Am Freitagmorgen referierte PD Dr. Joachim Boldt vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Freiburg zum Thema: „Wie gut ist besser? Zur ethischen Diskussion um medizinische Selbstverbesserung.“
In seinem sehr ansprechenden Vortrag zeigte er zunächst auf, welcher Paradigmenwechsel sich in der Medizin durch Enhancement vollzieht: Medizin wird von der Heilkunst zur anthropo-technischen Dienstleistung, der Patient zum Kunde. Entscheidende Orientierungsnorm für das Handeln des Arztes ist weniger die Frage nach Krankheit und Gesundheit, sondern nach der Leistungsfähigkeit. Anschließend wurde Enhancement anhand dreier Ansätze (Klass, Sandel, Habermas) kritisch hinterfragt.
Die Tagung endete am Freitagnachmittag mit Nathalie Lichy von der Pädagogischen Hochschule Freiburg, die in einer Fragerunde die christliche Botschaft in Beziehung zum Tagungsthema setzte.
Wie jedes Jahr wurde diese Jahrestagung von einem engagierten Team aus Kolleginnen und Kollegen vorbereitet, denen ich ganz herzlich für ihren Einsatz und ihr Mitwirken danken möchte. Dass sich der Einsatz lohnt, zeigte sich an den gewohnt hohen Anmeldezahlen und sehr positiven Rückmeldungen. Erfreulich war, dass neben vielen „Stammgästen“ in diesem Jahr auch eine beachtliche Anzahl von neuen Kolleginnen und Kollegen teilgenommen haben.
Mittlerweile läuft bereits die Vorbereitung auf die Jahrestagung 2017, die vom 22.11.-24.11.2017 stattfinden wird. Hierzu möchte ich Sie bereits jetzt herzlich einladen. Über die Homepage des IRP können Sie sich über den Stand der Vorbereitung jederzeit informieren.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen in Rastatt!

Simon Lienhard, Vorsitzender VKRF

Advertisements